Theoretischer Hintergrund
Aus der modernen Gehirnforschung und Lernpsychologie ist bekannt:
- Selbstregulierung, die "bewusste Kontrolle" der eigenen Emotionen und des eigenen Verhaltens, ist ein wichtiger Teil emotionaler Kompetenz. Wer seine Impulse kontrollieren, auf eine Belohnung warten, sich zurückhalten, zeitweilig auf etwas verzichten kann, hat einen wichtigen Schritt in Richtung Lernerfolg, gelungener sozialer Integration und Lebenszufriedenheit gesetzt. Selbstregulierung ist eine Kompetenz, die bei der Entwicklung einer eigenständigen Identität im Zusammenspiel mit der Umwelt hilft.
- Der Umgang mit Herausforderungen und Problemen im Leben gelingt umso besser, je breiter und vielfältiger die Auswahl an "inneren Bildern", an Handlungsoptionen ist. Diese Auswahl hängt wiederum mit den Erfahrungen bei der Nutzung von Lösungsstrategien in der Vergangenheit zusammen: Je erfolgreicher der Umgang mit Problemen mithilfe einer bestimmten Strategie bisher war, desto stärker werden die zugrunde liegenden Nervenzellverbindungen verknüpft, desto mehr rückt ebendiese Strategie in den Vordergrund, wenn in neuen Situationen Handlungsoptionen gesucht werden, und desto leichter kann diese abgerufen werden. - Im Extremfall kann das einer solchen Strategie zugrunde liegende Bild so dominant werden, dass es alle anderen verdrängt und die Handlung auch ohne konkreten Anlass ausgeführt oder eine zur Strategie passende Situation erst geschaffen wird: Dann ist man von einer früher erfolgreichen Handlungsoption abhängig geworden, und der jeweilige Nervenweg hat sich zu einer Autobahn entwickelt, von der man nur schwer wieder herunterkommt.
Die "Aktion Verzicht" bietet durch das Angebot, zeitweilig den Verzicht auf ein Konsumgut oder eine Gewohnheit zu versuchen, die Möglichkeit,
- durch den zeitweiligen Aufschub einer Belohnung die Fähigkeit zu Selbstregulierung zu trainieren und
- durch die Unterbrechung der Verwendung einer Handlungsoption der Entwicklung von Autobahnen im Gehirn entgegen zu steuern.
Quellenangaben
- Wie funktioniert das Gehirn? Auf dem Weg zu einer neuen Lernwissenschaft. Hrsg.: OECD, Verlag Schattauer, 2005
- Die Macht der inneren Bilder. Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern. Hüther G., Vandenhoeck & Ruprecht, 2006
Studien
Ausgewählte Ergebnisse von Evaluationen zur "Aktion Verzicht" finden sich auf einer eigenen Studien-Seite.
